Schließzylinder

Was ist ein Schließzylinder?

Der Schließzylinder ist der mechanische Kern eines Türschlosses. Er wandelt die Drehbewegung des Schlüssels in die Bewegung des Schließriegels um. Je nach Bauform unterscheidet man Profil-, Rund-, Oval- und Scheibenzylinder.

Aufbau

Ein Schließzylinder besteht aus dem Gehäuse (Zylinderkörper), dem drehbaren Kern und den Stiftzuhaltungen (Pins). Der Schlüssel hebt die Stifte auf die richtige Höhe — erst dann lässt sich der Kern drehen.

Maße nach DIN 18252

Das Maß wird als A/B angegeben (Außen-/Innenmaß von der Stulpschraube gemessen). Ein Zylinder 30/30 ist symmetrisch und hat eine Gesamtlänge von 60mm. Die gängigsten Maße liegen zwischen 25/25 und 40/40.

Sicherheitsmerkmale

  • Aufbohrschutz: Gehärtete Stifte verhindern das Durchbohren
  • Picking-Schutz: Spezielle Stiftformen erschweren das Manipulieren
  • Kernziehschutz: Schutz gegen das Herausziehen des Kerns
  • Sicherungskarte: Schlüssel nur mit Nachweis nachbestellbar

Sicherheitsklassen nach DIN EN 1303

Die europäische Norm DIN EN 1303 klassifiziert Schließzylinder in sechs Stufen nach ihrem Angriffswiderstand. Die Klasse bestimmt, welchen mechanischen Angriffen ein Zylinder standhalten muss.

Klasse Angriffswiderstand Bohrschutz Picking-Schutz Empfehlung
Klasse 0 Kein Schutz Innentüren, kein Sicherheitsbedarf
Klasse 1 1 Min. Basiswiderstand Nein Basis Nebentüren, Kellertüren
Klasse 2 3 Min. Standardschutz Ja Erhöht Wohnungseingangstüren
Klasse 3 5 Min. Gehobener Schutz Ja (gehärtet) Hoch Haustüren Einfamilienhaus
Klasse 4 10 Min. Profischutz Ja (Spezialstahl) Sehr hoch Gewerbe, VdS Klasse A
Klasse 5–6 15+ Min. Hochsicherheit Ja (Hartmetall) Höchstsicherheit VdS Klasse B/BZ, Tresorräume

Quelle: DIN EN 1303:2015 — Schließzylinder für Schlösser. Klasse 2 ist die polizeiliche Mindestempfehlung für Wohngebäude.

Aufbau eines Stiftzylinders

Im häufigsten Zylindertyp — dem Stift- oder Pin-Tumbler-Zylinder — arbeiten Gehäusestifte und Kernstifte zusammen. Nur der richtige Schlüssel bringt alle Stiftpaare auf die Scherlinie und gibt den Kern zum Drehen frei.

Gehäuse Kern (drehbar) Scherlinie Schlüssel Gehäusestift (Federbelastet) Kernstift

Schematische Darstellung: Der Schlüssel hebt die Kernstifte (gold) so an, dass die Trennlinie zwischen Kern- und Gehäusestift (rot) genau auf der Scherlinie liegt.

Häufige Fragen zum Schließzylinder

Wie lange hält ein Schließzylinder?
Ein hochwertiger Schließzylinder hält bei normaler Nutzung 10–15 Jahre. Verschleißanzeichen sind schwergängiges Drehen, der Schlüssel muss „gesucht" werden, oder der Zylinder klemmt bei Temperaturwechsel. Spätestens nach einem Schlüsselverlust sollte der Zylinder aus Sicherheitsgründen getauscht werden.
Was kostet ein guter Schließzylinder?
Qualitätszylinder mit Sicherungskarte und Aufbohrschutz kosten zwischen 40–120 €. Hochsicherheitszylinder mit VdS-Zertifizierung liegen bei 80–250 €. Billigzylinder unter 15 € aus dem Baumarkt bieten keinen nennenswerten Einbruchschutz und sind in unter 10 Sekunden überwindbar.
Kann ich einen Schließzylinder selbst austauschen?
Ja, der Austausch ist mit einem Kreuzschraubenzieher in 5 Minuten erledigt: Stulpschraube an der Türkante lösen, Schlüssel einstecken und leicht drehen (ca. 15°), Zylinder herausziehen. Den neuen Zylinder in umgekehrter Reihenfolge einsetzen. Wichtig: Vorher das korrekte Maß nach DIN 18252 ermitteln.

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